Ammoniten
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Ammoniten sind eine, mit den noch heute lebenden Tintenfischen unmittelbare verwandte, aber ausgestorbene Tier(Unter)klasse. Die Ammoniten existierten 350 Mio Jahre lang. Ihr erstes Auftreten hatten sie schon im Devon und sind gemeinsam mit den Dinosauriern am Ende der Kreidezeit vor 65 Mio Jahren ausgestorben. Heute kennt man weit über 11 000 Arten, die sich auf 1938 Gattungen und Untergattungen verteilen. Hauptsächlich werden die Ammoniten jedoch in 3 Gruppen (Goniatiten, Ceratiten und Ammoniten) unterteilt und gelten auch in vielen Sedimenten als Leitfossilien. Ausgewachsene Ammoniten hatten im Durchschnitt eine Größe zwischen 2 und 20 cm, jedoch gab es auch artenabhängig "Zwerge" von knapp 1 cm und "Riesen" mit einem Durchmesser von 2,10 m.
Wichtig sind die Ammoniten in der Paläontologie als Leitfossil, da viele Ammonitenarten nur in sehr kurzer (geologischer) Zeitspanne auftreten. Dies ermöglicht es die Schichten zeitlich (relativ gesehen) zueinander zuzuordnen.
Das Gehäuse von Ammoniten ist von der Grundform her eine in einer ebene aufgerollte Spirale, wenngleich es auch sogenannte heteromorphe Ammoniten gibt bei denen von diesem Bauplan abgewichen wird. Das Gehäuse eines Ammoniten kann man in die Wohnkammer und das gekammerte Phragmokon einteilen. Die Kammern des Phragmokon waren zu Lebzeiten mit Gas gefüllt und diente als Auftriebskörper für den Ammoniten. Die Trennwände der einzelnen Kammern werden als Lobenlinien bei geschliffenen Exemplaren oder Steinkernen sichtbar. Desweiteren gibt es noch viele weitere Variationen der Ammonitenschale, wie Knoten, Dornen, Rippen, Spaltrippen u.s.w.
Leider ist bis heute nicht zu 100% das Aussehen des Weichkörpers eines Ammoniten geklärt, es ist allerdings stark anzunehmen das diese dem heute lebenden Nautilus sehr ähnlich waren. Nach wie vor strittig sind die sogenannten Aptychen und Anaptychen. Diese werden entweder als Gehäusedeckel, als Teile des Kieferapparates oder aber auch in einer "Zwischenform von beidem" angesehen.
Trotzdem kann man bei einigen Ammoniten zwischen Männchen (Mikrokonch) und Weibchen (Makrokonch) unterscheiden. Wärend die Männchen kleinwüchsig waren, konnten die Weibchen relativ gross werden. Dieser Geschlechtsdimorphismus an Ammoniten kann anhand von morphologischen Reihen untersucht werden. Auch besitzen die Mänchen oftmals ein sogenanntes "Ohr", eine Schalenverlängerung an der Gehäusemündung.
Weitere Informationen zur Systematik der Ammoniten:
Die Unterklasse der Ammonoidea wird in 9 Ordnungen unterschieden. Die ersten 3 Ordnungen Anarcestida, Clymeniida und Goniatitida werden auch als Goniatiten bzw. Paläoammonoidea in der Literatur erwähnt und zeichnen sich durch eine mehr oder weniger "goniatitische" Lobenlinie aus.
Zur Ordnung der Anarcestida zählt auch Anetoceras. Diese ersten Formen (bekannt aus dem Bundenbacher Schiefer) besaßen noch eine Nabellücke und keinen I-Lobus. Weitere Gattungen sind Agoniatites, Anarcestes, Maenioceras, Prolobites, Beloceras und ebenso der aus Marokko bekannte Manticoceras.
Die Ordnung Clymeniida zeichnet sich durch die besondere Lage des Siphos aus, der im Gegensatz zu allen anderen Ammoniten-Ordnungen, intern liegt. Beispiele sind: Gonioclymenia, Hexaclymenia, Wocklumeria, Platyclymenia, Clymenia (auch Syn. Laevigites) und Parawocklumeria.
Die bekannteste paläozoische und auch namensgebende Ordnung, ist die der Goniatitida. Zu ihr zählen die Gattungen, wie Tornoceras, Cheiloceras, Sporadoceras, Gattendorfia, Ammonellipsites, Gastrioceras, Eoasianites, Schistoceras, Perrinites, Cyclolobus und ebenso der mehr bekannte Goniatites.
Zwei weitere Ordnungen, Prolecanitida und Ceratitida, werden zu den Mesoammonoidea bzw. Ceratititen gezählt. Diese Gruppe grenzt sich durch ihre besondere Lobenlinie von den anderen Ammoniten ab, welche mehr oder weniger "ceratitisch" ist.
Die wichtigsten Gattungen bei den Prolecanitida sind Prolecanites und Medlicotta.
Die meisten Trias-Ammonoideen werden in die Ordnung Ceratitida gestellt. Beispiele hierfür sind: Xenodiscus, Otoceras, Sageceras, Beneckeia, Choristoceras (erste heteromorphe Ammonitenform), Tropites, Clasidiscites, Ptychites, Pinacoceras und eben auch das Leitfossil des deutschen Muschelkalkes Ceratites.
Die letzte und dritte große Gruppe umfasst die der eigentlichen Ammoniten bzw. Neoammonoidea, deren Lobenlinie eine mehr oder weniger "ammonitische" Form aufweist. Zu ihnen zählen die Ordnungen Phylloceratida, Lytoceratida, Ammonitida und Ancyloceratida.
Zu der weltweit verbreiteten aber auch sehr konservativen Ordnung Phylloceratida zählt man unter anderen auch Phylloceras, Tragophylloceras, Holcophylloderas und Phyllopachyceras.
Die Ordnung um Lytoceratida beinhaltet folgende Taxa: Lytoceras, Alcolytoceras und Spiroceras (ebenfalls ein heteromorpher Ammonit).
Die auch als "Kreide-Heteromorpha" bezeichnete Ordnung Ancyloceratida fällt besonders durch ihre von der "normalen" Ammoniten-Spirale abweichende Form auf. Hierzu stellt man die Gattungen Ancyloceras, Crioceratites (= Crioceras), Baculites, Turrilites, Bostrychiceras, Scaphites und Macroscaphites. Es werden aber auch die Gattungen Douvelleiceras, Paraphoplites und Deshayesites dazugestellt, da es sich hier um wieder eingerollte Abkömmlinge handelt.
Die größte Ordnung ist die der Ammonitida, die eine große Anzahl von Leitfossilien liefert. Hier eine Auswahl der wichtigsten Vertreter dieser Ordnung:
Psiloceras, Schlotheimia, Arietites, Echioceras, Oxynoticeras, Androgynoceras, Amaltheus, Pleuroceras, Dactylioceras, Harpoceras, Eleganticeras, Hildoceras, Leioceras, Ludwigia, Sonninia, Oppelia, Stephanoceras, Macrocephalites, Kosmoceras, Quenstedtoceras, Perisphinctes, Ataxioceras, Rasenia, Gravesia, Aulacostephanus, Virgatites, Aspidoceras, Polyptychites, Pachydiscus, Leymerellia, Schloenbachia, Flickia und Tissotia.